Die Spielzeit 1964/65

Montag, 20. Juli 1964

Neue Staffeleinteilung in der Lübecker Bezirksliga. In der Lübecker Bezirksliga fällt am 16. Aug. der Startschuß zur Meisterschaftsrunde! Im Mittelpunkt der Arbeitstagung des Spielausschusses mit den Vereinsvertretern stand die Neueinteilung der Staffeln, die von allen gutgeheißen wurde. Die Mehrzahl plädierte auch für Sonnabendsspiele, während für Sonntagvormittag überwiegend nur bei den Lübecker Vereinen Meinung bestand.

„Die Konkurrenz soll erhalten bleiben“, begründete Spielausschußobmann Paul Schumacher die Umgruppierungen. Darüber hinaus waren auch geographische Gesichtspunkte mitbestimmend, um den Vereinen unnötig hohe Fahrtkosten zu ersparen. Lübeck 76, VfL Schwartau und Viktoria 08 wurden in die Südstaffel „versetzt“, während FSV, TSV Kücknitz, Post SV und TSV Siems in der Nordstaffel spielen werden. Die Aufsteiger VfL Haffkrug und FC Riepsdorf wurden der Nordstaffel zugeteilt, TSV Gudow und SV Sereetz spielen im Süden.

Damit ergibt sich folgende Einteilung der Staffeln:

  • Nordstaffel: Eutin 08, FSV Lübeck, VfL Haffkrug, TSV Heiligenhafen, TSV Kücknitz, Rot-Weiß Moisling, TSV Neustadt, TSV Pansdorf, Post SV Lübeck, FC Riepsdorf, TSV Siems, VfB Lübeck Amateure, SV Wahlstedt, TSV Travemünde.
  • Südstaffel: TSV Bargteheide, SV Eichede, Eichholzer SV, TSV Gudow, Möllner SV, Lübeck 76, Ratzeburger SV, Preußen Reinfeld, TSV Schlutup, VfL Schwartau, SV Sereetz, SV Viktoria 08, TSV Trittau, TuS Lübeck 93.

Einen breiten Raum nahm die Frage der Überprüfung der Bespielbarkeit der Plätze ein. Die Meinungen darüber, ob Kommissionen - wie dies für die erste Amateurliga beschlossen wurde - gebildet werden sollen oder die bisherige Form, wonach die Vereine sich im gegebenen Fall mit dem Spielausschußobmann in Verbindung setzen, gingen auseinander. Schließlich kam man überein, in der alten Art weiter zu verfahren, da bei den großen räumlichen Ausdehnungen des Bezirks die Bildung von Kommissionen reiflicher Überlegungen bedarf.

Mit der Meisterschaftsrunde wird erneut der Fairneß-Wettbewerb durchgeführt. Wer wird in diesem Jahr die Trophäe erringen, nachdem Eutin 08 sechs Jahre hintereinander den „Willi-Heß-Gedächtnis-Preis“ bekommen hat? An den DFB-Vereinspokalspielen wollen sich in diesem Jahr alle Vereine beteiligen. SPORT-MEGAPHON vom

 

Sonnabend, 2. Januar 1965

Begegnung im Alltag. Schulmann und Freund der Sportjugend. Nach der Weihnachtspause wird morgen die Fußballbühne wieder freigegeben. Oberster Vorhangzieher in Stormarn ist der 1. Vorsitzende des Kreisfußballverbandes, Erwin Gesche (Reinfeld). Wer aber unter den Tausenden von Zuschauern, die allsonntäglich zu unseren Fußballfeldern wandern, denkt an die Männer im Hintergrund, obwohl erst sie einen geordneten Spielbetrieb ermöglichen und ihm die idealistischen Impulse geben!

Schon mit 23 Jahren gründete Erwin Gesche in dem 1000 Einwohner zählenden Dorf Schöneberg bei Fürstenwalde einen Sportverein. Die Jugend war von der Idee ihres Lehrers begeistert, doch die Alten hielten nichts von seinen „neumodischen“ Bestrebungen. Sie fürchteten, ihre Söhne und Töchter würden beim Sport zu müde werden für die Arbeit. „Den Köster schmieten wi in’n Puhl!“ drohten sie. Aber als er mit seinen Helfern ohne einen Pfennig fremden Geldes einen großen Sportplatz mit Laufbahn und Umzäunung schuf und bei der Einweihung viele hundert Gäste von nah und fern begrüßen konnte, rang er ihnen Respekt ab.

Damals war Erwin Gesche ein gewandter Stürmer, der so manchen Torhüter ausspielte. Als er die Fußballstiefel auszog, nahm er keineswegs Abschied vom Sport überhaupt. Seit 40 Jahren ist er nun schon ehrenamtlich für die Leibesübungen tätig, in Stormarn auch als 2. Vorsitzender des Kreissportverbandes und Mitglied des Kreissportbeirates.

Er weiß um Licht und Schatten im Fußballsport, der sich in seiner höchsten Spitze zur Schau gewandelt hat. Gerade darum verteidigt er die ursprünglichen Triebkräfte, wie sie sich in der unbekümmerten Freude am Spiel, im kameradschaftlichen Erlebnis, im ritterlichen Ringen um den Sieg ohne Nebengedanken äußern. Deshalb kennt er auch auf dem Fußballplatz keine größere Freude, als die Jüngsten nach fairem Turnier für gutes Abschneiden auszeichnen zu können. Hier offenbaren sich für ihn am reinsten die sportlichen Ideale seiner eigenen Jugendzeit.

Wenn der Name Stormarn im Schleswig-Holsteinischen Fußballverband einen besonders guten Klang hat, so ist dies nicht zuletzt der Fähigkeit Erwin Gesches zu verdanken, die richtigen Mitarbeiter um sich zu scharen und auf sie seinen Elan und seine Tatkraft zu übertragen. So wird der 67jährige auf dem kommenden Kreisverbandstag seinen Posten unbesorgt einem Jüngeren abtreten können. Ganz aber wird man auf ihn bestimmt nicht verzichten. STORMARNER TAGEBLATT vom

 

Sonnabend, 10. April 1965

Schiedsrichter geprüft und getestet. Dank und Ratschläge für verantwortungsvolles Amt. Gute Ratschläge und viele Dankesworte unterstrichen die Wichtigkeit der im Fußballsport tätigen Schiedsrichter, die sich zu ihrer Jahreshauptversammlung im Oldesloer Jugendheim mit dem Lehrwart des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes, Gerhard Pooch, trafen.

Erwin Gesche, Vorsitzender des Kreisfußballverbandes Stormarn, rief den 45 anwesenden Schiedsrichtern zu, daß sie konsequent und kameradschaftlich auftreten und niemals überheblich sein sollten. Ungerechtigkeit und Unordnung im Sport und auf den Sportplätzen im Keime zu ersticken, sei die verantwortungsvolle Aufgabe der Schiedsrichter.

Der Obmann des Bezirks IV, Herbert Walde, nahm die Prüfung des Nachwuchses ab. Es wurden gute Ergebnisse erzielt, ein Verdienst von Lehrwart Karl-Heinz Schmidt (VfL Oldesloe). Die älteren und über mehr Erfahrung verfügenden Schiedsrichter unterzogen sich einem Test des Verbandslehrwarts. Sie lösten die kompliziertesten Fragen und Aufgaben durchweg gut.

Die Ausbildung der Schiedsrichter soll, wie Herbert Walde mitteilte, noch mehr verbessert und intensiviert werden. Spielausschußobmann Franz Bartkowiak erläuterte in seinem Referat die Spielbestimmungen und wies auf wichtige Punkte für die Schiedsrichter hin. Schiedsrichterobmann Konrad Wölk gab in seinem ausführlichen Bericht über das abgelaufene Jahr seiner Genugtuung über die vollbrachten Leistungen und erzielten Ergebnisse Ausdruck. Die Lehrgänge in Malente sind erfolgreich belegt worden. In höheren Klassen amtieren Herzog, Meyer-Stender (beide VfL Oldesloe), Witten (VfL Rethwisch), Becker (SC Elmenhorst), Diekmann (TSV Zarpen), Barthels (TSV Bargteheide) und Gehrken (SV Grönwohld).

Die Neuwahl der Beisitzer im Schiedsrichterausschuß ergab einstimmig Wiederwahl von Schmidt (VfL Oldesloe), Witten (VfL Rethwisch), Diekmann (TSV Zarpen) und Gehrken (SV Grönwohld). STORMARNER TAGEBLATT vom

 

Donnerstag, 20. Mai 1965

Fußballverband erhält neue Führung. 28 Vereine entsenden Vertreter nach Reinfeld. Am kommenden Sonnabend steht die Karpfenstadt Reinfeld nach langer Pause wieder einmal im Zeichen eines Kreisfußballverbandstages. Wichtige Entscheidungen stehen den Sportlern aus 28 angeschlossenen Verein bevor. Unter anderem müssen die Ämter des 1. Kreisvorsitzenden, des Kassenwarts und des Spielausschußobmanns neu vergeben werden. Erwin Gesche gibt nach 15jähriger Tätigkeit im KFV und 55 Jahren Dienst am Sport den Vorsitz ab.

Den Auftakt des Verbandstages gibt um 14.45 Uhr der Spielmannszug der Matthias-Claudius-Schule. Daran schließen sich der Reinfelder Kammerchor und ein Streichertrio mit unterhaltenden Darbietungen an. Mit einer Reihe von Grußworten und Begrüßungsreden beginnt dann der geschäftliche Teil, der sich im wesentlichen aus den Arbeitsberichten, den Wahlen von sechs Vorstandsmitgliedern und der Genehmigung des Haushaltsplanes zusammensetzt. Ferner sollen Anfragen der Delegierten, Anträge der Vereine und ein Tagungsort für den Verbandstag 1966 beraten werden.

Damit auch die Fußballerfrauen nicht zu kurz kommen, ist für sie im „Forsthaus Bolande“ eine Kaffeetafel mit anschließendem Kegeln oder einem Waldspaziergang vorgesehen. Den Abschluß des Tages bildet ein gemeinsames Abendessen und ein gemütliches Beisammensein. STORMARNER TAGEBLATT vom

 

Sonnabend, 22. Mai 1965

Pionier des Sports herzlich verabschiedet. Gesche Ehrenmitglied des Kreisfußballverbandes. Blumen für Sportlerfrauen. Auf dem 16. Kreisverbandstag des Kreisfußballverbandes Stormarn in Reinfeld verabschiedeten die Delegierten ihren langjährigen 1. Vorsitzenden Erwin Gesche (Preußen Reinfeld). Die Vertreter der 28 dem Kreisfußballverband angeschlossenen Vereine wählten den bisherigen zweiten Vorsitzenden Siegfried Peemüller (VfL Rethwisch) einstimmig zu seinem Nachfolger.

Der Reinfelder Kammerchor und ein Streichertrio gaben dem Verbandstag einen besinnlichen Auftakt. In den Grußworten der Gäste, die Bürgermeister Richard Hingst für die Karpfenstadt Reinfeld, Walter Ohm für den Schleswig-Holsteinischen Fußballverband, Hans Hagen für die CDU, Dr. ????? Baare-Schmidt für die FDP und Gerhard Roloff für die SPD übermittelten, kam übereinstimmend die Anerkennung des Sports für die Gesunderhaltung des Volkes und als gemeinschaftsförderndes Element zum Ausdruck.

Nachdem die Fußballer ihren Dank an die Sportlerfrauen - an der Tagung nahmen viele von ihnen teil - mit einigen Blumensträußen abgestattet hatten, erfolgte die Ehrung der Kreismeister und der bisher ermittelten Sieger im Fair-Play-Wettbewerb. Mit der silbernen Ehrennadel des Kreisfußballverbandes wurden Werner Beeck und Ernst Wagener vom SV Eichede ausgezeichnet. Ferner erhielten die Vereine drei einfache und sechs bronzene KFV-Ehrennadeln sowie 100 Ehrenzeichen für Vereinstreue zur Aushändigung an verdiente Mitglieder übergeben.

Im verwaltungsmäßigen Teil wurden die den Vereinen bereits durch die Verbandsschrift zugestellten Arbeitsberichte einstimmig gebilligt. Die Versammlung erteilte dem Vorstand Entlastung. Erwin Gesche, der nicht wieder kandidierte, leitete als letzte Amtshandlung die Wahl eines neuen ersten Vorsitzenden. Die Versammlung entschied sich einstimmig für Siegfried Peemüller (VfL Rethwisch).

Nach einem Dank für das ihm entgegengebrachte Vertrauen würdigte Siegfried Peemüller den Menschen und Sportler Erwin Gesche. Dieser war 55 Jahre im Sport und für den Sport tätig. 40 Jahre leistete er ehrenamtliche Mitarbeit in Sportverbänden, 15 Jahre war er 1. Vorsitzender des Kreisfußballverbandes Stormarn. Hierfür dankte Siegfried Peemüller mit herzlichen Worten und überreichte ihm eine kostbare, handgefertigte Urkunde über die Ehrenmitgliedschaft im Kreisfußballverband.

Diesem Dank schlossen sich Walter Ohm für den Schleswig-Holsteinischen Fußballverband, Peter Tietz für den Bezirk IV, Walter Schmalfeld für den Kreisfußballverband Segeberg, Richard Lieske für den Kreishandballverband Stormarn, ????? Fahl für die aktiven Sportler, Franz Bartkowiak für den Vorstand an und erfreuten Erwin Gesche mit Geschenken. Besonders zu Herzen gehende Worte fand der frühere Vorsitzende des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes, Dr. Curt Waßmund, für seinen lange Zeit engen Mitarbeiter. Erwin Gesche danke in seinem Schlußwort für die ihm zuteilgewordenen Ehrungen und gab bekannt, daß er dem Kreisfußballverband einen Wanderpreis stiften wolle, den der Verein mit der besten Jugendarbeit erhalten solle.

Bei den folgenden Wahlen wurde Franz Bartkowiak (VfL Oldesloe) zum 2. Vorsitzenden, Gerhard Schaar (VfL Oldesloe) zum Spielausschußobmann, Siegfried Ullmann (Preußen Reinfeld) zum Kassenprüfer und ????? Kielhorn (SC Elmenhorst) zum Beisitzer des Kreisgerichts berufen. Für die übrigen zur Wahl anstehenden Ämter wurden die bisherigen Vorstandsmitglieder wiedergewählt. STORMARNER TAGEBLATT vom

 

Dienstag, 8. Juni 1965

Der Bezirk IV im Schleswig-Holsteinischen Fußballverband führt am 12. Juni, 15.15 Uhr in Lübeck (Restaurant „Schwarzbunte“) seinen Verbandstag durch. Im Mittelpunkt der umfangreichen Tagesordnung dürfte dabei die Diskussion über den endgültigen Vorschlag der geplanten Verwaltungsreform im Bereich des SHFV stehen.

SPORT-MEGAPHON vom 8.6.1965

 

Sonnabend, 12. Juni 1965

Preußen Reinfeld am fairsten

Verwaltungsreform im Mittelpunkt – Im Bezirk IV weiter mit Peter Tietz

rwi. – Die im Bereich des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes geplante Verwaltungsreform stand im Mittelpunkt des Verbandstages des Bezirks IV (Lübeck) in der Gaststätte „Schwarzbunte“ in Lübeck. Sie löste aber keineswegs die erwartete Diskussion seitens der Vereinsvertreter aus, sondern wurde vielmehr zu einem „privaten Streitgespräch“ zwischen dem langjährigen Vorsitzendes des Kreises Stormarn, Erwin Gesche (Reinfeld), und dem Spielausschußobmann des Bezirks IV, Paul Schumacher. Selbst zu einer „Meinungsforschung“ kam es nicht, da Vorsitzender Peter Tietz (um es mit seinen eigenen Worten zu sagen) eine Ausdehnung des Verbandstages bis Sonntag morgen fünf Uhr abwenden wollte.

Was ist das Grundmotiv der angestrebten Verwaltungsreform? In erster Linie eine Verringerung der Verwaltungskosten, die dadurch erreicht werden soll, die derzeitige Struktur der Bezirke mit ihren Ausschüssen grundlegend zu ändern. Dabei ist eine sogenannte „Zweigleisigkeit“ – ddas heißt neben dem Schleswig-Holsteinischen Fußballverband als Dachorganisation sollen nur noch die Kreisfußballverbände in der derzeitigen Form bestehen bleiben – ins Auge gefaßt. Mit dieser Maßnahme sollen aber nicht nur finanzielle Einsparungen erreicht werden, sondern erfahrene Mitarbeiter sowohl für die Kreise als auch für den Landesverband gewonnen werden.

Ob es zu einer Verwirklichung des von einem Sonderausschuß erarbeiteten endgültigen Vorschlages kommen wird, darüber werden die Vereinsvertreter auf dem Verbandstag des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes am 4. Juli in Eutin abzustimmen haben.

Zu Beginn des 20. Bezirks-Verbandstages begrüßte Vorsitzender Peter Tietz unter anderem den langjährigen 1. Vorsitzenden des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes, Dr. Curt Waßmund (Pansdorf), und den Verbandsschiedsrichterobmann Georg Czekalla (Lübeck), der die Grüße des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes überbrachte, und Erwin Gesche (Reinfeld).

Preußen Reinfeld wurde als fairste Mannschaft mit dem Willi-Heß-Gedächtnispokal ausgezeichnet, den vorher sechsmal hintereinander Eutin 08 in Empfang nehmen durfte. Die Meisterschaftsurkunden wurden dem VfB Lübeck als Jungmannen-Bezirksmeister sowie dem TSV Schlutup und Eutin 08 als Meister der Nord- bzw. Südstaffel der Bezirksliga überreicht. Für den im Vorjahr gestifteten Ehrenschild der Schiedsrichter wurde Herbert Münster (VfB Lübeck) vorgeschlagen, der sich durch sportliche Leistung und Haltung besonders ausgezeichnet hat.

Bei den satzungsgemäßen Neuwahlen gab es nur eine Änderung in der Funktion des Schatzmeisters. Für den aus beruflichen Gründen zurückgetretenen Walter Lohff trat Friedel Oldenburg (VfB Lübeck) die Nachfolge an. Das Verbandsschiff steuert weiterhin – nunmehr schon seit 19 Jahren – Peter Tietz. Einstimmig wurde auch der Jugendausschuß mit Heinz Hering (Bad Segeberg) an der Spitze sowie Karl Wittner (LBV Phönix) als kommissarischer Vorsitzender des Bezirksgerichts bestätigt.

SPORT-MEGAPHON vom 14.6.1965

 

Sonntag, 27 Juni 1965

Das Porträt der Woche: Rektor a.D. Erwin Gesche

Wenn es eines Beweises bedarf, daß der Umgang mit der Jugend jung erhält, dann steht Erwin Gesche dafür. Zwar ist der aus Berlin stammende und in der Mark Brandenburg aufgewachsene Rektor schon seit dem 1. April 1963 im Ruhestand und hat sich nach 40jähriger ehrenamtlicher Mitarbeit in Sportverbänden, davon die letzten anderthalb Jahrzehnte als 1. Vorsitzender des Kreisfußballverbandes Stormarn, vor kurzem auf eigenen Wunsch ablösen lassen, aber es würde ihm etwas fehlen, wenn er nicht weiter an der Reinfelder Schule unterrichten und für den Sport tätig sein könnte. Und wer ihm begegnet und versucht, sein Lebensalter zu schätzen, trifft unter Garantie daneben, der Geburtsschein attestiert jedoch den Jahrgang 1898.

Schon von Kindheit an wollte Erwin Gesche Lehrer und Erzieher werden (erste Nachhilfeschüler für den damals 10jährigen waren in Fürstenwalde an der Spree seine beiden jüngeren Brüder), und diesen Wunsch hat er konsequent durchgesetzt. Gegen den Willen des Vaters, der ihn, statt auf die Mittelschule und das anschließende Lehrerseminar gehen zu lassen, viel lieber zur Vorbereitung auf einen ganz anderen Lebensberuf aufs Gymnasium geschickt hätte.

Diese Konsequenz und vor allem ein ausgesprochener Gerechtigkeitssinn („ich werde kribbelig, ansehen zu müssen, wenn irgendwo Egoismus und Ungerechtigkeit Oberhand gewinnt“), dazu eine im schönen Sinne verstandene Gabe für Organisation, verbunden mit aus dem Herzen kommender Freude am Planen und Durchführen, zeichnen den Menschen Erwin Gesche überhaupt aus. Kein Wunder also, daß sich alles so wie geplant entwickelte, wenn auch das Schicksal oft genug die Weichen stellte.

Noch als Seminarist unterrichtete der 17jährige – es war im ersten Weltkrieg – in der Schule schon 12- und 13jährige Jungen. „Das war eine Herausforderung zur Bewährung für uns junge Erzieher“, ist heute sein Kommentar dazu. 1918 eingezogen und an der Westfront eingesetzt, erwischt es den Unteroffizier und Stoßtruppführer ausgerechnet am 9. November 1918 um 6 Uhr früh, als ein Geschoß das linke Ellbogengelenk zersplittert. In Berlin kaum wiederhergestellt, geht er zurück nach Fürstenwalde aufs Seminar, macht im Herbst 1919 das erste Staatsexamen mit den Lieblingsfächern Deutsch, Geschichte, Französisch, denen immer noch seine ganze

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